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Marxzell pflegt weiterhin Bande mit dem ehemaligen Greifendorf im heutigen Tschechien

Gedenktafel an Pater Engelmar Unzeitig in der Pfaffenroter St. Wendelinuskapelle enthüllt.

Die Bande zwischen Marxzell Pfaffenrot und der ehemaligen Gemeinde Greifendorf in Nordmähren, im heutigen Tschechien "Hradec nad Svitavou", erhielten am Wochenende einen weiteren Punkt der Gemeinsamkeiten. Bürgermeister Kamil Pavlis aus Hradec war mit einer kleinen Delegation im Rahmen der freundlichen Begegnung vom 20.10. bis 22.10.2017 in Marxzell zu Gast.


Über drei Millionen Sudetendeutsche wurden in den Jahren 1945/46 aus ihrer Heimat in der Tschechoslowakei vertrieben. Viele fanden gerade in Baden-Württemberg damals eine neue Heimat, sieben Familien kamen nach Pfaffenrot.

Eine ganz besondere Verbindung der Greifendorfer in Marxzell mit ihrer früheren Heimat entstand durch den in Greifendorf 1911 geborenen Pater Engelmar Unzeitig, er gehörte der Ordensgemeinschaft Mariannhill in Würzburg an, auf deren Antrag er im vergangenen Jahr vom Vatikan selig gesprochen wurde. Drei Holzstatuen sind es, die bereits seit 2008 den Kreis zwischen dem ehemaligen Greifendorf, Pfaffenrot und dem Orden in Würzburg schließen. Sie erhielten jeweils einen Ehrenplatz in den Kirchen.
 


Bereits am vergangen Freitagabend konnten Vertreter der Gemeinde die Delegation aus Hradec willkommen heißen. Das "Samstagsprogramm" begann mit der Besichtigung der Frauenalber Klosterruine. "Klostergeist" Gerhard Stöckle führte den Besuch aus Hradec durch die Ruine. Nach dem sich anschließenden Mittagessen führte Frau Schulleiterin Michaela Steppe den Besuch, auf besonderen Wunsch der Gäste hin, durch die Räumlichkeiten der Carl-Benz-Schule in Pfaffenrot. Danach durfte natürlich ein Besuch in der Greifendorfer Heimatstube sowie dem Dorfmuseum nicht fehlen. Um 16:00 Uhr begann der offizielle Empfang der Gäste aus Hradec im Bürgersaal des Rathauses Pfaffenrot.
 

 

"Im Zusammenhang mit der Seligsprechung von Pater Unzeitig in Würzburg ist bei uns der Gedanke entstanden, in der Pfaffenroter Wendelinuskapelle unter der Skulptur des Paters, eine Gedenktafel anzubringen"; so Bürgermeisterin Sabrina Eisele beim Empfang der Gemeinde, zusammen mit den Gästen aus Hradec.

Sie erinnerte dabei, dass Pater Unzeitig 1941 von den Nazis verhaftet wurde und vom Gefängnis in Linz ins Konzentrationslager Dachau kam. Alle Demütigungen, Hunger und Grausamkeiten konnten ihn nicht von seinem Glauben abbringen. Er wurde zum begnadeten Seelsorger des Lagers und pflegte auch Häftlinge mit Flecktyphus, einer Krankheit, der er mit nur 34 Jahren 1945 selbst erlag. Die Ordensgemeinschaft in Würzburg bezeichnet ihn heute als "Märtyrer der Nächstenliebe". In seinem Brief aus dem KZ schrieb er: "Liebe verdoppelt die Kräfte, sie mach erfinderisch, macht innerlich frei und froh". "Insbesondere in Zeiten, in denen wir in Europa, aber auch weltweit vor sehr großen Herausforderungen stehen, brauchen wir diese Liebe, wie sie Pater Engel Unzeitig beschrieb", so Sabrina Eisele.
 


Ihr Dank im Zusammenhang mit der Pflege der Verbindungen mit dem ehemaligen Greifendorf in Tschechien galt der "Arbeitsgemeinschaft der Greifendorfer in Pfaffenrot" unter Vorsitz von Gabriele von Frankenberg. Den musikalischen Rahmen des Gemeindeempfangs gestaltete der Projektchor der Carl-Benz-Schule.
 


Pfarrer Peter Konetschny erinnerte im sonntäglichen Gottesdienst in der Kirche St. Josef in Pfaffenrot an die Seligsprechung von Pater Unzeitig und seine großen Leistungen um die in tiefem Glauben verankerte Nächstenliebe.

Nach dem Gottesdienst fand in der Wendelinuskapelle die Enthüllung der Gedenktafel statt. Die älteren Heimatvertriebenen erinnern sich: "Diese Kapelle war seinerzeit ein wichtiger Halt für uns, als wir in Pfaffenrot ankamen".

 

 

 

 

 

 

Nachricht vom: 26.10.2017