

Ackern für die Artenvielfalt: Praxisschulung für naturnahes Grün
Donnerstag, 01. Oktober 26
Gemeindemitarbeiter aus Bauhof und Infrastruktur sowie Gemeinderatmitglied lernen, wie insektenfreundliche Flächen angelegt werden
Marxzell/Neuenbürg - Schaufeln, Rechen und Zwiebelstecker sind das Lehrmaterial bei "Natur nah dran". Gemeinsam mit rund 30 Teilnehmenden aus anderen Kommunen hat der Bauhofleiter der Gemeinde Marxzell Herr Klein, Mitarbeiter Herr König, sowie Herr Heinz (Abteilung Infrastruktur) und Gemeinderat Herr Waas am Donnerstag, 24. September 2026 in Neuenbürg im Enzkreis mehrere öffentliche Grünflächen mit Wildpflanzen bestückt. Mit dem dort erworbenen Wissen startet nun die Umgestaltung vor Ort: Bis Mitte 2027 entstehen mit dem NABU-Förderprojekt "Natur nah dran" an 3 Standorten artenreiche Wildblumenwiesen und Wildstaudensäume.
"In den nächsten Wochen werden wir Wildblumen aussähen, Zwiebeln stecken und Stauden pflanzen. Wir sind gespannt darauf, hier in Marxzell in die Tat umzusetzen, was wir bei der Schulung gelernt haben", freut sich Herr Mario Heinz.
"Es profitieren nicht nur Wildbienen und Schmetterlinge von den naturnahen Flächen. Sondern sie laden Jung und Alt zum Verweilen, Staunen und Erleben ein", schwärmt NABU-Projektleiter Martin Klatt. "Beobachten lohnt sich, denn die Flächen verändern sich ständig. In den ersten Monaten sehen sie noch karg aus. Aber schon im Frühjahr zeigen sich die ersten Blüten - und mit ihnen die summenden Blütenbesucher. Wenn die ersten Frühblüher aufgehen, profitiert zum Beispiel die Mauerbiene", beschreibt Klatt die Entwicklung.

Auch Schotter kommt zum Einsatz
Unter Anleitung des Naturgartenfachplaners Dr. Reinhard Witt lernten die Teilnehmenden verschiedene Anlagemethoden kennen. Dabei kommt es vor allem auf die Vorbereitung des Bodens an. "Je magerer der Boden, desto bunter, also artenreicher", so Witt. "Außerdem wollen wir keine Samen oder Wurzelstücke von wuchernden Arten im Boden, die nachher die gewünschten Pflanzen verdrängen." In Teilflächen wird der Boden deshalb durch Schotter/Kies und Kompost ausgetauscht. Das gibt zunächst ein trostloses Bild ab. Naturgartenplaner Witt wirbt für Geduld: "Die neuen Flächen sind nicht mit den verrufenen Schottergärten zu verwechseln, auch wenn sie aktuell so ähnlich aussehen. In einigen Monaten verwandeln sie sich zu Nahrungsquellen für Insekten."
Die Gemeinde Marxzell gestaltet insgesamt 3 Flächen naturnah um
Die "Natur nah dran"-Flächen liegen in Pfaffenrot, Ortseingang Karlsruher Straße und Burbach, Ortszentrum "Linde" und "Alte Waage". Marxzell ist eine von 15 Städten und Gemeinden, die dieses Jahr ins NABU-Programm "Natur nah dran" aufgenommen wurden. Die Förderung umfasst neben finanzieller Unterstützung unter anderem die Schulungen für kommunale Angestellte. Es waren Mitarbeitende aus Abstatt, Albstadt, Altensteig, Bad Säckingen, Breisach, Jagstzell und Marxzell zu Gast in Neuenbürg.
Hintergrund:
Das Kooperationsprojekt "Natur nah dran" von NABU und Land wird gefördert durch das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg. Ziel ist es, Städte und Gemeinden mit Rat und Tat dabei zu unterstützen, Grünflächen im Sinne der Biodiversität umzugestalten. Von 2022 bis 2027 werden jährlich 15 Städte und Gemeinden gefördert. Seit 2016 wandelten 136 Kommunen bereits über 290.000 Quadratmeter naturnah um.



